Risset, Jean-Claude (*1938)
"I have been attracted by computer sound synthesis, first implemented in the late fifties by Max Mathews at Bell Laboratories. In this process, the composer instructs the computer to directly calculate the sound wave, as though it directly engraved the groove of a record. In principle, one can thus produce any sound, without any a priori constraint or restriction. One only needs to provide the computer with a thorough description of the physical structure of the tone one wants: the computer will then convert this description into sound. This gives potentially complete control over the structure of the sound, which can be composed by the user just as he can compose a chord or an instrumental episode." — Jean-Claude Risset
Komponist, Computermusik, studierte Komposition bei Suzanne Demarquez und André Jolivet, Zusammenarbeit mit Max Mathews am Bell Laboratories, Kombination mit herkömmlichen Instrumenten in Songes (1979) und Passages für Flöte und Tonband (1982), Wissenschaftliche Studien sowie Studium an der Ecole Normale Supérieure, Klavier und Komposition. Während der 60er Jahre, Zusammenarbeit mit Max Mathews in den Vereinigten Staaten bei der Entwicklung der musikalischen Anwendungsmöglichkeiten der Klangsynthese mittels Computer. Risset beschäftigte sich intesiv mit der Imitation von instrumental Klängen und entwickelte einen synthetischen Klangkatalog.
Leiter des Aufbaus der Klangsynthese mittels Computer in Orsay (1971), Marseille (1974) und am IRCAM Paris, an dem Jean-Claude Risset die Computermusikabteilung von 1975 bis 1979 leitet. Es folgt die Arbeit in Marseille als Direktor der Forschung am C.N.R.S., Laboratoire de Mechanique et d'Acoustique et Faculte des Sciences de Luminy.
Statement: "Max Mathows gelang um 1960 eine sehr allgemeine Methode der Klangsynthese: Der Computer berechnet eine Schallwelle unmittelbar in all ihren Details, ähnlich etwa dem Vorgang der direkten Steuerung bei der Plattenpressung. Dieser Vorgang gestattet es, ohne Einengung und Beschränkung Klänge in Ihrer spezifischen Eigenart zusammenzustellen. Es genügt, dem mit einem geeigneten Programm zum Beispiel MUSIC V - gefütterten Computer die umfassenden physikalischen Strukturen der gewünschten Klänge anzugeben. Ich wurde von den Möglichkeiten einer erweiterbaren und offenen Klangwelt, die sich für neue musikalische Architekturen eignete, angezogen. Aber eben diese Klangwelt öffnet sich nicht so leicht. Der Computer ist ein anspruchsvolles Instrument. Man muss ihm sehr genau die Details gewünschter Klänge angeben. Die ersten Versuche waren enttäuschend. Die einzelnen Klänge, die man synthetisieren konnte, waren ohne Leben, ohne Dynamik, ohne Charakter. Die Ursache dieses Mangels ist die Unkenntnis der Beziehungen zwischen der physikalischen Klangstruktur (sie ist wichtigster Bestandteil eines Syntheseprogramms) und ihrem Wahrnehmungseffekt. Im Bereich der Psychoakustik ist die Übereinstimmung zwischen den Klangparametern und ihren Wirkungen komplexer als man glaubt, und man muss sie besser kennen, um alle Möglichkeiten aus den Vorteilen eines Computers ziehen zu kännen. Gleichzeitig aber ist der Computer das Mittel der Wahl, um die musikalische Psychoakustik zu entwickeln. Jeder künstlich erzeugte Klang ist in seiner Bauweise bekannt, die Beziehung zwischen Struktur und ihrer Wirkung lernt man erst kennen, wenn man den Klang hört.
Die Studien über den Instrumentalklang machten
die Wechselbeziehungen zwischen Existenz, innerer Spannung und Wesen von Klängen
besser verständlich. In Grenzfällen folgen Tonhöhenunterschiede
nicht einfach den Frequenzunterschieden: Ich konnte einen endlos steigenden
Klang synthetisieren, eine Folge von periodischen Klängen, die steigt und
fällt zugleich, und einen Ton, der sinkt, wenn seine Frequenzen sich verdoppeln.
Mit Hilfe von vier Lautsprechern ist es Chowning gelungen, den Eindruck einer
gezielten Klangbewegung im Raum zu erwecken, die es dem Musiker erlaubt den
Zuhörer in einen Illusionsraum zu entführen. In den Studios von Stanford,
am IRCAM und in Marseille ist ein weites Feld der Forschung gegeben.
Es gilt, die klanglichen Möglichkeiten des Computers mit Geduld zu erproben,
das hörbare Wirkungsspektrum und die physikalische Strukturen zu studieren,
zu lernen, die sensiblen Parameter ganz genau zu präzisieren, zu bereichern,
Versuche zu optimieren - kurz, Vorgangsweisen zu finden, gewünschte Klänge
nicht nur zu produzieren, sondern auch musikalisch verfügbar zu machen.
Der schnell produzierende Musiker wird seine niveau-tieferen Anforderungen erfüllt
sehen; aber ich selbst finde es wesentlich, hier Zeit und Energie zu investieren.
Durch den Computer kann man an der Entstehung von Klangprozessen mitwirken,
sie exakt bestimmen, sie behutsam umformen, das Material anreichern, ohne die
Möglichkeit einer sehr feinen Kontrolle über den Vorgang zu verlieren.
Generell gesagt. Klänge komponieren, und nicht mit Klängen zu komponieren;
die synthetische Scheinwelt des Klangs mit seiner instrumentalen Realität
zu konfrontieren und gegenseitig zu durchdringen; die Möglichkeit, Klangkörper
hören zu lassen, die man sehen kann, und mit den Ebenen der Wahrnehmung
zu spielen." — Jean-Claude Risset
"Cézanne, as he said, wanted to 'unite feminine curves with hilly shoulders'. Similarly, hybrid synthesizing allowed me to work 'in the actual bones of nature' (Henri Michaux), to produce chimeras, hybrids that unite birds and metal, wood and sea sounds." — Jean-Claude Risset
WORKS
Prélude, orch, 1963; Instantanés, pf, 1965; Music for Little Boy
(incid music, P. Halet), 1v, insts, tape, 1968; Mutations I, tape, 1969; Dialogues,
4 insts, tape, 1975; Inharmonique, S, tape, 1977; Moments Newtoniens, 7 insts,
tape, 1977; Mirages, 16 insts, tape, 1978; Songes, tape, 1979; Aventure de lignes,
elec insts, ens, tape, 1982; Passages, fl, tape, 1982; L'autre face, S, tape,
1983; Profils, 6 insts, tape 1983; Contours, tape, 1983; Filtres, 2 pf, 1984;
Sud, tape, 1985; Seule, S, 1985; Dérives, chorus, tape, 1985–7;
Violements, t sax, tape, 1987; Phases, orch, 1988; Attracterus étranges,
cl, tape, 1988; Duet for One Pianist: 8 Sketches, Disklavier, cptr, 1989; Electron-Positron,
tape, 1989; Echo for John Pierce, tape, 1990; Rounds, 1990; 3 études
en duo, 1991; Lurai, celtic hp, cptr, 1991; Mais déjà vient la
nuit, 15 insts, 1991; Triptyque, cl, orch, 1991; Saxatile, s sax, cptr, 1992;
Une aube sans soleil, S, perc, 1992; Invisibles/Invisible, S, cptr, 1994; Variants,
vn, digital effects, 1994; Invisible Irène, tape, 1995; Mokee, B, pf,
tape, 1996; Contre Nature, perc, tape, 1996 (Principal publishers: Amphion,
Salabert, Editions du Visage, Semar)
WRITINGS
An Introductory Catalogue of Computer Synthesized Sounds (Murray Hill, NJ, 1969);
repr. in The Historical CD of Digital Sound Synthesis, Wergo 2033–2 (1995)
· 'Digital Techniques and Sound Structure in Music', Composers and the
Computer, ed. C. Roads (Los Altos, CA, 1985) · 'Composer le son: expériences
avec l'ordinateur, 1964–1989', Contrechamps, no.11 (1991), 107–26
· 'A Real-World Sounds and Simulacra in my Computer Music', CMR, xv (1996),
29–47 [with exx. on CD] · 'Composing Sounds, Bridging Gaps: the
Musical Role of the Computer in my Music', Musik und Technik, ed. H. de la Motte-Haber
and R. Frisius (Mainz, 1996), 152–81 · with S. Van Duyne: 'Real-Time
Performance Interaction with a Computer-Controlled Acoustic Piano', Computer
Music Journal, xx (1996), 62–75
Links
IRCAM Paris :: Jean-Claude RISSET
Hauteur
et timbre des sons par Jean-Claude Risset
Tribute
to Jean-Claude Risset (Stephen McAdams)
Additive
synthesis: Risset's bell
microFestival
- musique Acousmatique [Rendered on Tape]
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